
(Foto: pflegepioniere)
Ein Rückblick auf die Online-Projektvorstellung von „PuG“
Immer mehr Pflegebedürftige, immer weniger Versorgung vor Ort – kann Telemedizin diese Lücke schließen? Diese Frage stand im Zentrum der Projektvorstellung „PuG – Pflege und Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum stärken“, die am Mittwoch, den 15.04.2026, von Melanie Philip, Geschäftsführerin der Pflegepioniere, präsentiert wurde.
Im Rahmen der monatlichen Veranstaltung der Stelle für Soziale Innovation der LAG FW zeigte Philip, wie telemedizinische und telepflegerische Lösungen konkret eingesetzt werden, um die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern.
Pflege unter Druck: Warum neue Lösungen nötig sind
Der Pflegebereich steht vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel und demografischer Wandel verschärfen insbesondere in ländlichen Regionen die Versorgungslage. In vielen Gebieten droht langfristig eine Unterversorgung mit medizinischem und pflegerischem Personal.
Das Projekt „PuG“ setzt genau hier an. Ziel ist es, telemedizinische und telepflegerische Anwendungen in den Pflegealltag zu integrieren und unter realen Bedingungen zu erproben. Mobile Geräte und digitale Anwendungen ermöglichen Untersuchungen und Beratungen direkt im häuslichen Umfeld der Patient:innen. Die Versorgung soll schneller, wohnortnäher und unkomplizierter werden. Gleichzeitig sollen Pflegekräfte und medizinisches Personal entlastet werden. Aktuell wird das Projekt in den Regionen Drochtersen und Nordkehdingen umgesetzt. Um diese Ziele zu erreichen, setzt das Projekt auf zwei zentrale Bausteine: den Telemedizinraum sowie eine digitale Telepflege-Plattform. Beide Ansätze ergänzen sich und zielen darauf ab, Versorgungslücken zu schließen und den Zugang zu medizinischer und pflegerischer Unterstützung zu erleichtern.
Der Telemedizinraum: Versorgung vor Ort neu gedacht
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der sogenannte Telemedizinraum (TMR). Dabei handelt es sich um einen speziell eingerichteten Raum vor Ort, in dem telemedizinische Anwendungen gemeinsam mit Ärzt:innen und Bürger:innen erprobt werden. Der Telemedizinraum dient zudem als Anlaufstelle für Information und Unterstützung. Bürger:innen können hier Anwendungen kennenlernen, ausprobieren und Hilfe bei der Nutzung erhalten. Auf diese Weise trägt das Projekt auch dazu bei, digitale Kompetenzen zu stärken und Vertrauen in neue Versorgungsformen aufzubauen.
Digitale Hilfe für pflegende Angehörige
Ein weiterer Baustein ist die Telepflege-Plattform „PIO“, die sich gezielt an pflegende Angehörige und sorgende Zugehörige richtet. Sie bietet Unterstützung bei pflegerischen Fragestellungen und erleichtert den Zugang zu passenden Angeboten. Die Plattform fungiert damit als zentrale digitale Anlaufstelle rund um das Thema Pflege. Gleichzeitig vernetzt sie verschiedene pflegerische Dienstleister und schafft ein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot. Aktuell befindet sich die Plattform in der Erprobungsphase und kann bereits getestet werden.
Warum Zusammenarbeit entscheidend ist
Im Verlauf des Vortrags wurde deutlich, dass die Umsetzung des Projekts mit verschiedenen Herausforderungen verbunden war, die im weiteren Verlauf bewältigt werden konnten. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei ein funktionierendes Netzwerk aus verschiedenen Akteur:innen.
Melanie Philip betonte die Bedeutung gezielter Öffentlichkeitsarbeit. So setzte das Projekt unter anderem auf eine Roadshow, den Einsatz von QR-Codes sowie die enge Zusammenarbeit mit der lokalen Presse, um Aufmerksamkeit zu schaffen und Beteiligte einzubinden. Darüber hinaus wurden Workshops an berufsbildenden Schulen in Stade durchgeführt, um angehende Pflegefachpersonen frühzeitig mit telemedizinischen Lösungen vertraut zu machen:
„Gerade angehende Pflegefachpersonen sollten frühzeitig erfahren, wie digitale und telemedizinische Lösungen ihren Berufsalltag sinnvoll ergänzen können – insbesondere im ländlichen Raum, wo Ressourcen knapp sind.“
Wie geht es weiter mit PuG?
Die große Resonanz auf das Projekt verdeutlicht das wachsende Interesse an innovativen Versorgungsansätzen im ländlichen Raum. Gleichzeitig zeigt sich, dass eine langfristige und verlässliche Finanzierung eine zentrale Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg solcher Projekte ist. Neben Fördermitteln sind dabei auch Kommunen gefragt, aktiv zur Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegeangebote beizutragen. Denn eine flächendeckende Versorgung ist eine wesentliche Grundlage für lebenswerte und zukunftsfähige Regionen.
Die Projektvorstellung lieferte zudem erste Impulse für weiterführende Formate, etwa in Form von Workshops oder zusätzlichen Netzwerktreffen.
Ein abschließender Dank gilt Melanie Philip für die praxisnahen Einblicke in das Projekt „PuG“.
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